David Schnarch

Hier zitiere ich mal eine Textpassage aus einem tollen Buch „Die Psychologie sexueller Leidenschaft“ von „David Schnarch„. Das passt sehr gut zu Freundschaften, Beziehungen, Familie und   Lebensgemeinschaften:
Differenzierung: ein goldener Mittelweg
Differenzierung bedeutet, zwei elementare Lebenskräfte in Einklang zu bringen:
das Bedürfnis nach Individualtität – und das Bedürfnis nach Miteinander.
Das Element der Individualität treibt uns dazu an, unseren eigenen Vorstellungen zu folgen und unsere Eigenständigkeit und Einzigartigkeit zu entwickeln.
Das Element des Miteinanders hält uns dazu an, uns in die Gruppe einzufügen und den Vorgaben zu folgen, die andere uns machen.
Wenn die zwei Lebenskräfte der Individualität und des Miteinanders in ausgewogener, gesunder Weise  Ausdruck finden, kann eine sinnerfüllte  zwischenmenschliche Beziehung entstehen, die nicht in eine emotionale  Verschmelzung umschlägt.
Um des Miteinanders willen die eigene Indivitualität aufzugeben, ist langfristig gesehen ebenso kontraproduktiv, wie um Deiner Individualität willen die Beziehung aufgeben.
Beide Varianten haben eine Schwächung sowohl der Persönlichkeit als auch der Beziehung zur Folge.
Der erste und wichtigste Punkt ist:
Differenzierung ist Deine Fähigkeit, im engen emotionalen und/oder körperlichen Kontakt zu anderen ein stabiles Selbstgefühl zu wahren – insbesondere, wenn diese anderen Dir immer wichtiger werden.
Differenzierung versetzt Dich in die Lage, den eigenen Kurs zu halten, wenn Partner, Freund und Familienmitglieder Druck auf DIch ausüben, damit Du einlenkst und mit ihnen konform gehst.
Menschen, die in ihrer Differenzierungsfähigkeit weit fortgeschritten sind, können mit anderen einig sein, ohne das Gefühl zu haben, sich zu verlieren, und anderer Meinung sein, ohne sich dabei isoliert oder gekränkt zu fühlen.
Sie können mit Menschen, die andere Vorstellungen haben als sie, verbunden bleiben und dennoch genau wissen, wer sie sind.
Sie brauchen sich, um ihrem Selbstgefühl treu zu bleiben zu können, einer solchen Situation nicht zu entziehen.
… … … …
etc.
Was meint Ihr dazu?
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Ein Gedanke zu „David Schnarch

  1. Lars

    Ich habe gerade das spätere Buch von Schnarch „Intimität und Verlangen“ gelesen. Es ist zwar auch eine Schwarte wie das oben genannte, aber er bringt seine Thesen noch klarer auf den Punkt als bei der „Psychologie der sexuellen Leidenschaft“ und ist in sofern auf jeden Fall lesenswert.

    Bei seinem Ansatz stehen die vier Aspekte der Balance im Mittelpunkt:
    „1. Stabiles und Flexibles Selbst: Klarheit darüber, wer sie sind, was sie wollen und welche Ziele sie haben – insbesondere, wenn ihr Partner sie drängt, sich seinen Vorstellungen anzupassen.
    2. Stiller Geist – Ruhiges Herz: Die Fähigkeit sich selbst zu beruhigen, heilsam auf die eigenen Verletzungen einzuwirken und die eigenen Ängste zu verringern.
    3. Maßvolles Reagieren: die Fähigkeit ruhig zu bleiben und nicht überzureagieren, statt Distanz zu schaffen oder davonzulaufen, wenn der Partner in Angst verfällt oder aufgebracht ist.
    4. Sinnvolle Beharrlichkeit: die Fähigkeit ihre Bemühungen zu intensivieren und sich mit den Problemen, die sie verwirren und mit denen sie in ihrer Beziehung ringen, auseinanderzusetzen, sowie die Fähigkeit und Bereitschaft, Unbehagen um des Wachstums willen zu ertragen.“

    Diese lassen sich auch sehr gut für alle Polybeziehungen verwenden. Schmunzeln musste ich allerdings immer wieder, wenn er die Ehe als beste aller Möglichkeiten des Zusammenlebens preist. Wobei ich meine, dass er den Polygedanken nicht kennt und so nur die Ehe mit Fremdgehen und an einer Stelle die Polygamie (in diesem Fall ein Mann mit mehreren Frauen) dem Ehekonzept gegenüber stellt. Seine Hauptargumentation für die Ehe sind Safer Sex, und dass durch die Anwendung der oben genannten Aspekte sich auch in der Ehe alle Wünsche der Partner erfüllen lassen, wobei er im Zweifel wohl auf die „Sequenzielle Monogamie“ verweisen würde.

    Antwort

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