Beispiele für Diskussions-Themen:

Ich will einmal ein Beispiel machen, oder zwei, über Diskussionsthemen beim Polytreff:

Einmal, schon länger her, entschieden wir uns für das Thema „Privatsphäre in Polybeziehungen“.

Manch einer will Privates für sich behalten und seinen Geliebten nicht alles von sich preisgeben, eine anderer möchte seine Geliebten damit nicht belasten, ein dritter trägt sein Herz auf der Zunge und weiß nicht, wem er es zuerst erzählen soll – was von der letzten Person in der Reihe als Vertrauensbruch aufgefasst werden kann. Ist mir der, der von meiner neuen Liebe als zweiter erfährt, weniger wert als der, der es zuerst erfährt? Und nun? Seufzen, die Augen rollen oder sich ahnungslos stellen? Es geht also um die Wertigkeit der Beziehungen überhaupt. Gibt es eine Rangfolge von Primary zu Secondary, Erst- zu Zweitbeziehung? (Die armen Dritten!)

Wenn ein Poly-Mann alle seine Partnerinnen immer gleich behandeln wollte, hätte er sich viel vorgenommen, meinte einer. Nicht nur wegen dem Zeitproblem, auch emotional.

Eine der Anwesenden berichtete, dass ihr PolyLover sie gerne an seinen weiteren Liebschaften teilhaben lassen würde, weil das ein wichtiger Teil seines Lebens sei. Sie jedoch lehnt das ab. Das sei seine Sache. Er findet das schade.

Ein anwesendes Ehepaar erzählte, dass seine Geliebte bei seiner Frau anrief – aus Versehen. Und dann baff war, weil die Ehefrau so nett war, – und überhaupt kein Problem damit hatte, die Geliebte des Mannes am Telefon zu haben. So nach dem Motto: aber das muss doch ein Problem sein!!?

Acht Leute waren anwesend bei einem anderen Treffen, davon zwei Neue. Mich freut das immer; neue Ansichten, neuer Austausch, neugieriges Begucken und Lauschen. Die alten Hasen und die Neuen in ihrem Kontakt betrachten, mein eigenes Verhalten und die Interaktionen beobachten… und dabei noch inhaltlich folgen. Mir macht das Spaß, für mich ist dieser Wechsel zwischen Meta-Ebene und mittendrin-sein Gehirnjogging erster Güte.

Und man erfährt ja auch immer wieder was Neues. Die Neuen wollten eine ausführliche Vorstellungsrunde: „Wer lebt hier eigentlich polyamor, und wer träumt nur davon?“ Fest steht: es gibt nicht „die“ Polyamorie – jeder lebt seine eigene Variante davon.

Da fiel der Satz: „Lieber sich als dem anderen treu sein“ – wie wahr. Er gilt in intimen Beziehungen genauso wie bei Freunden oder am Arbeitsplatz; ist nur schwer zu realisieren.

Ich äußerte die Vermutung, dass das Polyleben nur dann klappen kann, wenn alle es tun. In einem Netz. Das scheint aber nicht zu stimmen. Manche Polyverbindung endet schon glücklich nach der Zahl drei. Was tun die zwei, damit sich Nummer drei nicht wie das fünfte Rad am Wagen vorkommt? Kann man gleichmäßig lieben? Kann man eigentlich um Liebe konkurrieren? Wie steht es mit dem Vertrauen? Auf jeden Fall ist es mir sehr suspekt, wenn es nur heimlich geht – heimlich ist mir unheimlich.

Eifersucht ist eigentlich ein Dauerbrenner. Für einen aus unserer Runde war das aber noch nie ein Thema: „Lieben heißt loslassen“, sagte er kurz und knapp. Wie tief und wie verbindlich ist die Beziehung? Und welche Rolle spielt der Selbstwert dabei?

Ehrlichkeit in der Kommunikation – beispielsweise in Bezug auf Safer Sex: wann sage ich es, wann spreche ich es an, wann stelle ich die Frage nach dem Aidstest? Wenn im Überschwang der Gefühle das Kondom plötzlich absolut uncool erscheint? Dafür gibt es den Begriff: NRE = new relationship energy, die Energie der neuen Beziehung, die gelegentlich überschwappt und nichts mehr mit Vernunft zu tun hat. Wer fragt denn da noch nach HPV, menschlichen Papillomviren?

Dem schloss sich eine rege Diskussion über geschlechtlich übertragbare Krankheiten, deren Symptome und deren Vermeidung an. Wir könnten uns mal jemanden vom Gesundheitsamt einladen. Vielleicht ist ja vieles Hysterie.

Wie dem auch sei, unser Treffen war wieder herzerfrischend rund und rege. Ich bin gespannt auf das nächste Mal.

Polybi

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